Fungizide

 

Fungizid

Ein Fungizid ist ein chemischer oder biologischer Wirkstoff, der Pilze oder ihre Sporen abtötet oder ihr Wachstum für die Zeit seiner Wirksamkeit verhindert (Fungizidie).

Wirkstoffe

Bei Fungiziden kann es sich um anorganische, metallorganische oder organische Chemikalien oder um Organismen handeln.

Anorganische Fungizide sind zum Beispiel die Bordeauxbrühe (Cu(OH)2 · CaSO4) oder Kupferoxychlorid (basisches Kupferchlorid) (3 Cu(OH)2) · CuCl2 · n H2O). Von diesen Fungiziden werden Kupfer(II)-Ionen freigesetzt, die in den Pilzsporen als Enzymgifte wirken und damit eine Keimung verhindern können. Kolloidaler, reiner Schwefel (Netzschwefel) ist ebenfalls ein anorganisches Fungizid. Er oxidiert auf der Pflanzenoberfläche zu Schwefeldioxid, das die Sporenkeimung hemmt. Anorganische Fungizide machen immer noch etwa die Hälfte der verkauften Fungizide aus. Sie dürfen auch im Rahmen der Ökologischen Landwirtschaft, selbst in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft (Demeter) verwendet werden.

Metallorganische Fungizidwirkstoffe wie die sehr giftigen und umweltschädlichen Quecksilber- und Zinnorganika sind heute verboten.

Die Gruppe der organischen Fungizidwirkstoffe ist sehr heterogen zusammengesetzt und schwer überschaubar. Bei den mengenmäßig wichtigen Getreide-Fungiziden werden heute vor allem Wirkstoffe aus den Klassen der Azole, Morpholine und Strobilurine eingesetzt.

Derzeit ist in Deutschland ein biologischer Wirkstoff, der Sporen des parasitischen Pilzes Coniothyrium minitans enthält, zur Bekämpfung von Sclerotinia-Pilzen (z. B. Weißstängeligkeit beim Raps) zugelassen

 

Fungizide stören Darmflora des Bien

In einem Bericht des National Geographic äußerst sich Jeff Pettis vom US-Landwirtschaftsministerium wie folgt zu den Ergebnissen der Untersuchungen zum Bienensterben: «Wir finden tatsächlich mehr Er­krankungen bei Bienen, die mit Pestiziden in Kontakt gekommen sind, und sei es nur in ge­ringer Dosierung.»

Neuere Untersu­chungen haben zudem gezeigt, dass Pilzgifte, von denen man glaubte, sie seien für Bienen ungefährlich, im Darm der Insekten die Mikro­benflora angreifen, die den Pollen verdaut. Das könnte die Nährstoffaufnahme und damit die Gesundheit der Bienen schädigen.”

Anmerkung: Hier handelt es sich wohl um einen Übersetzungsfehler, denn gemeint sind wohl nicht Pilzgifte sondern Fungizide, also Pilzbekämpfungsmittel, wie sie in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Dieser Zusammenhang zwischen Pflanzenschutzmitteln und dessen Auswirkungen auf die Mikrobenwelt des Biens (im Darm und im Bienenbrot) wird nun seit Jahren in der Wissenschaft und unter Imkern diskutiert. Leider werden die Forschungsergebnisse dazu nicht veröffentlicht - angeblich, um die Ergebnisse wasserdicht zu machen. Und es sind noch viel zu wenige Forscher (vor allem Bienenforscher, Mikrobiologen und Toxikologen), die an dieser Sache arbeiten.

Daher sind alle Universitäten und Bienenforschungseinrichtungen dazu aufgerufen, diesen Hinweisen bezüglich der Wirkungen von Pflanzenschutzmittel-Cocktails auf die Mikrobiologie des Bienenstockes verstärkt nachzugehen. Die Bienen brauchen Sie. Bitte helfen Sie mit.

 

 

Geschichte

In früherer Zeit waren Ernteausfälle durch Pilzbewuchs keine Seltenheit.

In den Jahren 1845/46 kam es in Irland zum Totalausfall der Kartoffelernte durch Pilzbefall. Etwa eine Million Iren starben in der Hungersnot, zwei Millionen Iren wanderten in die USA aus.

Der gleiche Pilz führte in den Jahren 1916/1917 zu schweren Ernteausfällen bei der Kartoffelernte in Deutschland („Steckrübenwinter“).

Auch im Weinbau kam es zu großen Plagen durch Pilzbefall. Im Jahr 1848 wurden in Frankreich 80 % der Ernte vernichtet.

In der Frühzeit nutzte man Schwefel,  Asche,  Kalk oder Urin, um die Pflanzen vor Befall zu schützen. 1635 wurde Glaubersalz, 1740 arsenhaltiges Kupfersulfat eingesetzt (1786 wegen Vergiftungsgefahr verboten).

Im 19. Jahrhundert schützte man Pflanzen mit Metallsalzen wie der Bordeauxbrühe aus Kupfersulfat  und Calciumoxid sowie der Schwefelkalkbrühe gegen Mehltau. Zwischen 1897 und 1930 wurden auch Quecksilber und organische Quecksilberverbindungen genutzt.

Seit 1930 wurden in den USA Dithiocarbamate ab 1946 Dinocarb (erstes Fungizid mit selektiver Wirkung gegen Pilzbewuchs) gegen Schimmelpilze angewendet.

Zwischen 1960 und 1980 folgten viele neue Verbindungsklassen für Fungizide wie Carboxanilide (z. B. Flutolanil ), Piperazine (Triforin), Phthalimide (Captan, Captafol), Morpholine  (Tridemorph), Imidazole (Prochloraz), Benzimidazole (Carbendazim,  Benomyl) und Triazole (Propiconazol). Seit 1990 kamen die Azole  (Bitertanol, Hexaconazol) und später die Strobilurine (Azoxystrobin) auf den Markt.  Diese letzteren Gruppen eroberten sehr schnell den Fungizidmarkt.

 

 

Fungizidanwendung im Winterraps unter Berücksichtigung der Rückstandsbelastung von Honigen

Winterraps (Brassica napus L.) stellt im Frühjahr eine der wichtigsten Massentrachten für die Honigbiene dar. Der zunehmende Rapsanbau in den letzten 10 Jahren hat dazu geführt, dass im Sammelareal von nahezu allen Bienenständen Raps zu finden ist. Den Bienenvölkern steht so einerseits eine attraktive Nektar- und Pollenquelle zur Verfügung, aber andererseits gibt es auch kaum eine Möglichkeit, einer Rapstracht auszuweichen. In den letzten Jahren traten vermehrt Rückstände verschiedener bienenungefährlicher Wirkstoffe (Carbendazim und Boscalid) im Honig auf. Es handelt sich dabei um Fungizide, die gegen Weißstängeligkeit und Rapsschwärze in die Blüte gespritzt werden (siehe Tabelle 1). Die Rückstände lagen bisher unter der zugelassenen Höchstmenge, dennoch sollte eine Belastung des Honigs unbedingt vermieden werden.

Die wichtigsten Pilzerkrankungen im Winterraps sind neben Wurzelhals- und Stängelfäule Weißstängeligkeit und Rapsschwärze (siehe Tabelle). Während die Wurzelhals- und Stängelfäule vor der Blüte behandelt werden kann, ist für die Bekämpfung der Weißstängeligkeit oder Rapsschwärze eine Spritzung in die Blüte erforderlich. Als optimaler Behandlungstermin für die Weißstängeligkeit wird der Zeitpunkt angegeben, zu dem 50 – 60 % der Blüten geöffnet sind. Die Pilzsporen gelangen mit dem Wind in die Blattachseln und herabfallende Blütenblätter dienen als Nährmedien. Bei Behandlung der Blütenblätter kann die Weißstängeligkeit gezielt bekämpft werden. Feuchtwarmes Wetter begünstigt die Entwicklung der Weißstängeligkeit, so dass die Entscheidung für eine Behandlung häufig erst kurzfristig getroffen wird. Die einzige Möglichkeit bereits frühzeitig den Befall zu mindern ist die Ausbringung eines biologischen Bekämpfungsmittels (Contans WG), welches einen Pilz enthält (Coniothyrium minitans). Die Sporen dieses Pilzes parasitieren die Sklerotien (widerstandsfähige Überdauerungsformen) von Sclerotinia sclerotiorum, dem Erreger der Weißstängeligkeit. Das Präparat wird nach der Rapsernte bei der Stoppelbearbeitung ausgebracht.

Die Spritzung eines Pflanzenschutzmittels in die Blüte kann aus imkerlicher Sicht das Risiko von Bienenverlusten und / oder Rückständen bergen. Im Fall von bienenungefährlichen, insbesondere wasserlöslichen Fungiziden sind keine Bienenschäden wohl aber Rückstände zu erwarten. Ein möglichst früher Applikationstermin mit wenigen offenen Blüten würde das Risiko eines Wirkstoffeintrags verringern. Bisher sind relativ hohe Rückstandswerte bei den Wirkstoffen Carbendazim, Boscalid und Prothioconazol gemessen worden. In Versuchen mit den Wirkstoffen Metconazol, Tebuconazol und Iprodion konnte bisher kein auffälliger Wirkstoffeintrag in die Bienenvölker beobachtet werden.

Vermeidungsstrategien wie eine entfernte Aufstellung der Völker von der behandelten Fläche haben nur geringfügig zu einer Reduktion der Rückstände geführt und sind für Standimkereien mit intensivem Rapsanbau in der Umgebung unrealistisch. Es wäre daher wünschenswert, dass vor allem Wirkstoffe mit einem geringeren Rückstandspotential eingesetzt werden. Auch die Anwendung in den Abendstunden oder vor kälteren Tagen verlängert den Zeitraum zwischen Applikation und direktem Beflug der Fläche.

Imker, die in der Rapstracht Pollen sammeln, sollten nicht direkt nach der Applikation Pollen ernten, sondern drei Tage warten.

Die zugelassenen Fungizide (siehe Tabelle 2) sind als B3 oder B4 eingestuft und gelten bei Einhaltung der Anwendungsvorschriften als nicht bienengefährlich. Bei der Ausbringung von Tankmischungen (Insektizid + Fungizid) ist auf jeden Fall darauf zu achten, ob sich hierdurch die Einstufung der Bienengefährlichkeit ändert.